Mareike Rex
07. May 2026
Seit Jahren bin ich wegen Ohrspülungen in dieser Praxis gewesen – unkompliziert, pragmatisch und genau so, wie man sich eine funktionierende Inselpraxis wünscht. Nun laufe ich seit über einer Woche mit einem verstopften Ohr herum. Für die Terminvereinbarung bin ich letzte Woche extra persönlich vorbeigefahren. Termin am Montag bekommen. Dort dann die Information: Der Arzt macht Ohrspülungen nicht selbst, die Mitarbeiterin, die das sonst übernimmt, ist in Kur. Neuer Termin für Donnerstag. Heute dann erneut hingefahren, über eine Stunde gewartet – nur um die hochinteressante Diagnose zu erhalten, dass mein Ohr verstopft ist. Vielen Dank dafür. Geholfen wurde mir allerdings nicht. Stattdessen der Verweis zum HNO aufs Festland. Und genau hier liegt für mich das eigentliche Problem: Man übernimmt eine Inselpraxis nicht wie eine anonyme Stadtpraxis, in der man hauptsächlich Rezepte und Überweisungen verwaltet. Auf einer Insel sind Menschen darauf angewiesen, dass Ärzte auch pragmatisch helfen wollen – besonders bei Dingen, die jahrelang problemlos vor Ort möglich waren. Die Gerüchte, dass man hier inzwischen lieber ans Festland verweist, statt selbst tätig zu werden, wollte ich lange nicht glauben. Nach dieser Erfahrung leider doch. Und leider ist das nicht die einzige Erfahrung, die bei mir einen bitteren Eindruck hinterlassen hat. Ein alter Nachbar von mir lebt – wie viele alte Menschen – nicht mehr perfekt organisiert und braucht Unterstützung aus der Nachbarschaft. Genau dafür ist Gemeinschaft auf einer Insel da. Solange er sich noch selbst versorgen kann, funktioniert dieses Netz aus Hilfe und Würde. Umso erschreckender fand ich es zu hören, dass bei einem Hausbesuch offenbar innerhalb kürzester Zeit das Thema „Pflegeheim“ im Raum stand, ohne sich ernsthaft mit den Lebensumständen, der Nachbarschaftshilfe oder dem Menschen selbst auseinanderzusetzen. Für mich wirkt das vorschnell, distanziert und vor allem nicht vorurteilsfrei. Ich finde es ehrlich gesagt eine Schande, mit Menschen so umzugehen, ohne sich die Mühe zu machen, erst einmal die Hintergründe zu verstehen. Wichtig ist mir aber auch zu sagen: Die Mitarbeiterinnen an der Anmeldung waren durchweg freundlich und bemüht. Mein Eindruck ist nicht, dass dort niemand helfen wollte – sondern dass sie letztlich nur innerhalb der Vorgaben arbeiten können, die ihnen gemacht werden. Schade ist vor allem, dass damit gerade Stück für Stück das zerstört wird, was der vorherige Arzt über viele Jahre aufgebaut hat: eine medizinische Versorgung mit Verständnis für die Realität der Inselbewohner.